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Wieder einmal hat der Kapitän eines Schiffes alle Warnungen und Empfehlungen ignoriert, die Passage des Golfes von Aden auf eigene Faust riskiert – und dafür prompt die Quittung erhalten. Am 1. März wurde der in Ballast fahrende saudische Produktentanker AL NISR AL SAUDI (dwt 5,136 ts) auf dem Weg nach Dschidda im Golf von Aden von Piraten gekapert. Das Schiff fuhr abseits der gesicherten empfohlenen Transitroute (Internationally Recognised Transit Corridor - IRTC), und Kapitän/Reederei hatten auch auf die Anmeldung der Passage durch die gefährdeten Gebiete verzichtet. Nun liegt der Tanker mit seinen 14 Mann Besatzung erst einmal an der somalischen Küste bei Garacad vor Anker.
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Mitten auf dem IRTC im Golf von Aden sichtete am 6. März die türkische Fregatte GEMLIK (CTF-151) ein mit sieben Personen besetztes, verdächtiges Skiff. Ein eingesetztes Boarding Team förderte Waffen und Piratenausrüstung zutage. Die sieben Männer wurden vorläufig festgenommen. Ohne Beweise für ein bereits begangenes Verbrechen und unter den für den Einsatz der GEMLIK geltenden nationalen türkischen Gesetzen kann es keine strafrechtliche Verfolgung geben. Die mutmaßlichen Piraten dürften daher schnell wieder frei gelassen werden.
Mit dem Ende des Nord-Ost Monsuns werden auch die offenen Seegebiete des Somaliabeckens wieder „Operationsgebiet“ der Piraten. Bei durchweg ruhiger See waren die Monate März bis Mai schon in den letzten Jahren die „lukrativsten“ für die Piraten, und 2010 scheint hier keine Ausnahme zu werden.
Am 4. März griffen Piraten im Seegebiet zwischen den Seychellen und der kenianischen Küste das spanische Fischereischiff ALBACAN an. Der Einschlag einer Panzerfaustgranate löste ein Feuer an Bord aus, das aber schnell gelöscht werden konnte; niemand wurde verletzt. Heftige Gegenwehr eines einschifften Sicherheitsteams (zivile Firma) brachte die Piraten schließlich dazu ihr Vorhaben abzubrechen und sich mit ihren Skiffs zu entfernen. EU NavFor entsandte ein auf den Seychellen stationiertes Flugzeug, um nach der Piratengruppe zu suchen.
Einen Tag später versuchten Piraten im gleichen Seegebiet die Kaperung eines französischen Schiffes. Auch dieser Überfall schlug fehl, aber inzwischen war die französische Fregatte NIVOSE (EU NavFor) im Gebiet eingetroffen. Ihr Hubschrauber entdeckte ein mutmaßliches Mutterschiff mit zwei Skiffs im Schlepp. Zwar wurden sofort Gegenstände über Bord geworfen, aber ein Boarding Team fand noch Waffen (u.a. Panzerfaust), Enterhaken und andere Piratenausrüstung. Die insgesamt elf Männer an Bord wurden in Gewahrsam genommen, das Mutterschiff und eines der Skiffs versenkt. Zum Verbleib des zweiten Skiffs gibt es keine Meldungen. Möglicherweise hat die NIVOSE es an Bord genommen, um die mutmaßlichen Piraten ggf. damit wieder frei zu lassen. Es ist nämlich noch unklar, ob sie tatsächlich beweiskräftig mit einem spezifischen Überfall in Verbindung gebracht und damit vor Gericht gestellt werden können.
Nur wenig später griffen Piraten im gleichen Gebiet ein französisches Fischereischiff an. Ein eingeschifftes Sicherheitsteam (vermutlich französische Marineinfanteristen) konnte auch hier den Angriff abwehren, bis das Fischereischiff bei Ausweichmanövern das Skiff rammte und versenkte. Die sechs mutmaßlichen Piraten wurden anschließend aufgefischt. Sie wurden offenbar an die NIVOSE übergeben. Am 6. März soll die NIVOSE (bis Redaktionsschluss noch unbestätigten) Medienmeldungen zufolge selbst noch mindestens eine, vermutlich sogar zwei weitere Piratengruppen „neutralisiert“ haben. Details hierzu sind noch nicht bekannt, allerdings sollen sich nun insgesamt 22 mutmaßliche Piraten an Bord der französischen Fregatte befinden.
Erfolgreich waren Piraten im Somaliabecken dann allerdings doch noch. Am 5. März kaperten sie etwa 300 sm nordöstlich von Dar es Salam (Tansania) den unter der Flagge der Marshall Islands fahrenden norwegischen Tanker UBT OCEAN (dtw 9.380 ts) mit seinen 21 Mann Besatzung (sämtlich aus Myanmar). Das mit Heizöl beladene Schiff war auf dem Weg von den Arabischen Emiraten nach Dar es Salam. Wie die AL NISR AL SAUDI (s.o.) war auch dieser Tanker nicht bei den Anti-Piraterie Organisationen vorab registriert. Das Schiff konnte denn auch keine regions-spezifischen Warnungen erhalten, obwohl solche nach den gemeldeten Überfällen der letzten Tage sicher hilfreich hätten sein können.
Die zur Unterbindung (offizieller Auftrag: „deter and disrupt“) der Piraterie eingesetzten internationalen Seestreitkräfte sind zu schwach, um in den weiten Seegebieten des Somaliabeckens flächendeckend so präsent zu sein, dass sie bei gemeldeten Überfällen rechtzeitig eingreifen können. Eine neue Strategie soll diesem Problem Rechnung tragen und Piraten schon neutralisieren, bevor sie in den Weiten des Indiks nur schwer zu stoppen sind. Am 24. Februar hatten die EU-Verteidigungsminister (wie in der vergangenen Woche an dieser Stelle berichtet) beschlossen, für Operation Atalanta ab Ende März das Mandat der EU NavFor um den Auftrag „enge Überwachung der Piratenhäfen an der somalischen Küste“ zu erweitern. Piraten sollen nur noch schwer unentdeckt mit Mutterschiffen oder auch kleinen Skiffs zu Beutezügen auslaufen können.
Eine ähnliche Strategie scheint bereits für die bei Operation Ocean Shield eingesetzten Schiffe der NATO zu gelten – und die NATO-Einsatzgruppe konnte auch schon eine erste Erfolge verbuchen. Am 28. Februar fing das dänische Unterstützungsschiff ABSALON unmittelbar vor der somalischen Küste ein vermutliches Mutterschiff mit einem Skiff im Schlepp ab. Die mutmaßlichen Piraten hatten sich gerade ausgerüstet und zu einem Beutezug auf den Weg ins Somaliabecken gemacht. Da sie noch kein Verbrechen verübt hatten, durften sie mit ihrem Skiff zur Küste zurück kehren. Waffen und Piratenausrüstung wurden allerdings vom Boarding Team der ABSALON konfisziert, das Mutterschiff anschließend versenkt. In der Nacht vom 1. zum 2. März fing die ABSALON vor der somalischen Küste noch zwei weitere mutmaßliche Pirateneinsatzgruppen mit ihren Mutterschiffen ab. Durchsuchungen förderten Waffen und Piratenausrüstung zutage, während die „harmlosen Fischer“ andererseits auf die Mitnahme jeglicher Fischereiausrüstung verzichtet hatten. Auch hier durften die Männer mit jeweils einem Skiff zur Küste zurück kehren; ihre Mutterschiffe wurden versenkt.
In einer Erweiterung des Engagements am Horn von Afrika hat China angeboten, nun auch Schiffe des UN World Food Programme auf dem Weg von und nach Somalia zu geleiten. Chinesische Kriegsschiffe hatten sich in ihren bisherigen Einsätzen vornehmlich auf das Geleit von Handelsschiffen durch den Golf von Aden konzentriert. Da dieser Auftrag sicher nicht aufgegeben wird, könnte das Angebot auf eine bevorstehende Aufstockung des chinesischen Einsatzkontingentes deuten. Vermutlich wird der neue Auftrag (so er denn tatsächlich erteilt wird) in Abstimmung mit der EU Operation Atalanta wahrgenommen.
Am 4. März hat sich in Hainan die nächste chinesische Einsatzgruppe auf den Weg an das Horn von Afrika gemacht. Der Zerstörer GUANGZHOU (LUJANG-I-Klasse) und der Flottentanker WEISHAN HU (FUCHI-Klasse) sollen die derzeit eingesetzte Gruppe ablösen. Zum neuen Verband gehört ebenfalls die Fregatte CHAOHU (JIANGKAI-II-Klasse), die allerdings vorzeitig entsandt wurde und schon seit einigen Wochen im Golf von Aden operiert.
Am 5. März verließ die türkische Fregatte GELIBOLU den Heimatstützpunkt Aksaz. Das Schiff der OLIVER HAZARD PERRY-Klasse soll Schwesterschiff GEDIZ (CTF-151) im Operationsgebiet ablösen, ist allerdings Teil der NATO-Einsatzgruppe SNMG-2, die in der kommenden Woche in Djibouti erwartet wird. Die derzeit in der NATO Operation Ocean Shield eingesetzte SNMG-1 wird dann nach Norden ablaufen.
Die fünfte iranische Einsatzgruppe mit der Fregatte ALBORZ und dem Tanker BUSHEER ist nach insgesamt 44 Tagen Einsatz am 6. März in den Heimatstützpunkt zurück gekehrt. Die sechste (Landungsschiff LAVAN und Munitionstransporter CHIRU) setzt ihre Operationen im Golf von Aden fort, während sich die siebte Gruppe mit der Fregatte SABALAN und dem Versorger KHARG auf ihren Einsatz vorbereitet. Sie soll am 11. März in Richtung Golf von Aden auslaufen.
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